Schritt 1: Asset Allocation

erfahre, was die Asset Allocation ist und wie du sie in der Praxis umsetzt

Asset Allocation auf Deutsch: Wichtigster Baustein deines Portfolios

Eine wohlüberlegte Asset Allocation ist der wichtigste Baustein für deinen Vermögensaufbau. Durch die Asset Allocation legst du nicht nur deine Renditechancen fest, sondern kannst das Risiko einen Verlust zu erleiden deutlich verringern. Wir erklären dir, was Assetklassen sind und wie diese sich unterscheiden. Anhand anschaulicher Beispiele zeigen wir dir, wie du die Asset Allocation in der Praxis umsetzt.

Beispiel Asset Allocation in einem Musterportfolio mit Aktien, Rohstoffen, Kryptowährungen, Anleihen und Bargeld

1. Asset, Assetklasse und Asset Allocation verständlich erklärt

Asset bedeutet auf Deutsch Vermögenswert. Ein Vermögenswert ist beispielsweise eine Aktie von Apple oder das zum Verkauf stehende Haus von nebenan. Ein Asset ist ein einzelner Vermögenswert, der mit Geld bewertbar ist.

Assetklasse bedeutet auf Deutsch Anlageklasse. Eine Anlagenklasse ist eine Gruppe von Vermögenswerten mit ähnlichen Rendite-Risiko Merkmalen. Klassische Anlageklassen sind Aktien, Staatsanleihen und Rohstoffe.

Asset Allocation bedeutet auf Deutsch Vermögensverteilung. Die Vermögensverteilung beschreibt die Aufteilung deines Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen.

1.1 Beispiele für Anlageklassen

Wie oben definiert sind Anlageklassen eine Gruppe von Vermögenswerten, die sowohl ein vergleichbares Risiko aufweisen als auch ähnliche Renditen erzielen. Klassische Anlageklassen sind Aktien, Rohstoffe, Immobilien, (Staats)anleihen und Barvermögen.

Tabelle 1: Wichtige Merkmale von den Anlageklassen Aktien, Rohstoffe, Immobilien, Kryptowährungen, Staatsanleihen und Barvermögen.
Anlageklasse Merkmale
* Kryptowährungen werden nicht flächendeckend als eigenständige Anlageklasse angesehen aber akademische Arbeiten deuten darauf hin, dass sie viele Merkmale einer eigenen (alternativen) Anlageklasse aufweisen. [1,2] ** Unter Barvermögen fällt dein Geld im Tresor zu Hause, im Schließfach, auf dem Girokonto oder auch auf dem Tagesgeldkonto.
Aktien Aktien können im Laufe der Zeit eine hohe Rendite bringen, schwanken aber in der Bewertung mitunter stark und bürgen dadurch auch ein hohes Risiko. Einige Aktien sind weniger riskant als andere. Aktien tendieren dazu, in einer wachsenden Wirtschaft gut und in einer schwachen Wirtschaft schlecht abzuschneiden.
Rohstoffe Unter Rohstoffen ist das Edelmetall Gold wohl der am weitesten verbreitete bei Privatanlegern. Häufig wird Gold als Absicherung gegen fallende Aktienkurse und eine steigende Inflation eingesetzt. Der Goldwert hat die Tendenz zu steigen, wenn die Wirtschaft in eine Schieflage gerät.
Immobilien Bei Immobilien kannst du sowohl von der Miete, als auch von Preissteigerungen profitieren. Immobilien tendieren dazu, im Laufe der Zeit schwächer an Wert zu gewinnen als Aktien.
Kryptos* Kryptowährungen (auch Kryptos genannt) sind von den Notenbanken unabhängige virtuelle Währungen. Das wohl bekannteste Beispiel ist der seit 2009 handelbare Bitcoin. Kryptos gelten als „alternative Assetklasse“. Sie werden teilweise ähnlich wie Gold als Absicherung gegen eine wirtschaftliche Schieflage angesehen. Kryptowährungen sind jedoch deutlich risikoreicher als Gold.
Staatsanleihen Staatsanleihen zahlen regelmäßige, feststehende Zinserträge und sind üblicherweise ziemlich wertbeständig. Die Höhe des Zinses sowie des Risikos hängt stark von der Kreditwürdigkeit des Herausgebers sowie der Laufzeit ab. Während die Kurse für Aktien in einer Wirtschaftskrise fallen, steigen die Kurse von Staatsanleihen von kreditwürdigen Herausgebern tendenziell an.
Barvermögen** Barvermögen ist der sicherste Vermögenswert. Die hohe Sicherheit muss heutzutage jedoch teilweise sogar mit Negativzinsen für Guthaben auf Bankkonten bezahlt werden. Um gegen eine spontane finanzielle Notlage halbwegs abgesichert zu sein, ist es immer wichtig Bargeldvermögen („Notgroschen“) zu haben.

1.2 Rendite und Risiko von Anlageklassen

Du weißt nun, dass es verschiedene Anlageklassen gibt. Um die Vorteile von Investitionen in verschiedene Anlageklassen zu verstehen sind zwei Dinge wichtig zu beherzigen:

  1. Anlageklassen sind mit unterschiedlichem Risiko behaftet
  2. Anlageklassen reagieren unterschiedlich auf Krisen

Anlageklassen sind mit unterschiedlichem Risiko behaftet: Es gibt sogenannte „risikoarme“ und „risikoreiche“ Anlageklassen. Zu den „risikoarmen“ Anlageklassen gehören Barvermögen sowie kurzlaufende Staatsanleihen von Herausgebern mit sehr guter Bonität. Der Kurs von „risikoarmen“ Anlageklassen schwankt über die Zeit eher wenig. Die Wahrscheinlichkeit einen Verlust zu erleiden ist sehr gering. Der Preis für diese Sicherheit ist jedoch, dass du nur geringe oder gar keine Zinsen erhältst. Im Gegensatz dazu kannst du bei „risikoreichen“ Anlageklassen satte jährliche Renditen erzielen. Risikoreiche Anlageklassen sind zum Beispiel Rohstoffe, Aktien oder heutzutage auch Kryptowährungen. Die Kurse von „risikoreichen“ Anlageklassen schwanken jedoch teils stark. Das Risiko einen Verlust zu erleiden ist deutlich höher.

Rendite-Risiko-Profil von Barvermögen, Staatsanleihen, Immobilien, Rohstoffen, Aktien und Kryptowährungen wichtig bei Asset Allocation
Abbildung 1: Rendite-Risiko-Verhältnis von verschiedenen Anlageklassen. Die Abbildung dient als Orientierung. Beispielsweise sind nicht alle Rohstoffe risikoreicher als Immobilien.

Merke dir: Ohne Risiko gibt es keine Rendite!

Anlageklassen reagieren unterschiedlich auf Krisen: Je nach wirtschaftlicher Lage verhalten sich Anlageklassen unterschiedlich. Brummt die Wirtschaft und befinden wir uns in einem Wachstum, dann steigen Aktienkurse in der Regel. Schrumpft jedoch die Wirtschaftsleistung (zum Beispiel durch Corona), dann sinken die Aktienkurse. Im Gegensatz dazu tendieren beispielsweise die Kurse für Gold und Staatsanleihen in Krisenzeiten nach oben zu gehen. Bei einer gegensätzlichen Wertentwicklung spricht man von „negativer Korrelation“.

Negative Korrelation der Wertentwicklung von zwei Anlageklassen
Abbildung 2: Negative Korrelation zweier Anlageklassen.

2. Asset Allocation in der Praxis

Asset Allocation bedeutet die Aufteilung deines frei zur Verfügung stehenden Kapitals in verschiedene Anlageklassen. Das Ziel ist es durch diese Diversifikation über Anlageklassen hinweg die höchstmögliche Rendite bei geringstmöglichem Risiko zu erzielen. In der Praxis umfasst die Asset Allokation zwei Punkte:

  1. Du legst dein persönliches Rendite-Risiko-Profil fest
  2. Du wählst die Anlageklassen aus, in die du investieren möchtest

Rendite-Risiko-Profil festlegen: Zuerst legst du dein Rendite-Risiko-Profil fest. Je mehr Risiko du bereit bist einzugehen, desto höher ist deine potentielle Rendite. Du musst dich entscheiden, wie viel % deines zu investierenden Kapitals du in „risikoarme“ und wieviel in „risikoreiche“ Anlageklassen investieren möchtest. Der „risikoreiche“ Teil sorgt für deine Rendite. Der „risikoarme“ Teil dient als Absicherung. Er verringert die Wertschwankungen (Volatilität) deines Portfolios. Dies ist besonders in Krisen nützlich, da der Wertverlust deines Portfolios deutlich geringer ausfallen wird. Natürlich kostet dich diese Absicherung einen kleinen Teil deiner Rendite. Jedoch reduzierst du das Risiko stärker als deine Rendite.

Asset Allocation bedeutet in erster Ebene die Einteilung in risikoarme und risikoreiche Anlageklassen
Abbildung 3: Aufteilung deines zu investierenden Kapitals in einen „risikoarmen“ und einen „risikoreichen“ Teil.

Das Verhältnis „risikoarm“ zu „risikoreich“ ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel kannst du risikoreicher investieren, je länger dein Anlagezeitraum ist. Doch mach dir vorerst klar, wie viel Risiko du bereit bist zu tragen. Kannst du nachts gut schlafen, wenn deine Anlagen auf einmal 40 % weniger Wert sind? Rechne dir überschlagsweise aus, wie viel in realem Vermögen -40 % bedeuten. Wie würdest du dich mit diesem Verlust fühlen?

Assetklassen auswählen: Hast du dein individuelles Rendite-Risiko-Profil festgelegt, geht es nun daran Assetklassen für den „risikoreichen“ und „risikoarmen“ Teil auszuwählen. Für den „risikoarmen“ Teil werden die Anlageklassen Barvermögen und Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit von Ländern mit sehr guter Bonität häufig genutzt. Für den „risikoreichen“ Teil eignen sich Aktien besonders. Optimalerweise sollten dem „risikoreichen“ Teil noch weitere Assetklassen, die negativ zu Aktien korrelieren, beigemischt werden. Durch die Streuung (Diversifikation) deines Kapitals auf negativ korrelierende Anlageklassen erreichst du eine noch geringere Volatilität deines Portfolios.

Zweite Ebene Asset Allocation bedeutet Einteilung in Anlageklassen wie Aktien, Staatsanleihen und Cash
Abbildung 4: Beispiel für eine Asset Allocation. Der äußere Ring zeigt die Aufteilung in einen „risikoarmen“ und einen „risikoreichen“ Teil. Der „risikoarme“ Teil besteht aus Staatsanleihen und Cash (Barvermögen). Der „risikoreiche“ besteht hauptsächlich aus Aktien. A1 und A2 sind zwei weitere Assetklassen des „risikoreichen“ Teils, die optimalerweise negativ zu Aktien korrelieren.

Hast du dein Rendite-Risiko-Profil bestimmt und Anlageklassen ausgewählt, hast du den Grundstein für ein breit diversifiziertes Portfolio gelegt! Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Asset Allokation einer der wichtigsten Bausteine für deinen Vermögensaufbau ist.[3,4]

Merke dir: Mit der richtigen Asset Allocation (Vermögensaufteilung) legst du deine Risikobereitschaft sowie deine mögliche Rendite fest. Der wichtigste Grundsatz bei der Asset Allocation lautet: Schätze deine Risikobereitschaft objektiv und realistisch ein!

3. Zusammenfassung

Die Asset Allocation beschreibt die Aufteilung deines Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen. Das Ziel ist es durch Diversifikation über Anlageklassen hinweg die höchstmögliche Rendite bei geringstmöglichem Risiko zu erzielen. Zuerst legst du dein persönliches Rendite-Risiko-Profil fest. Hierfür musst du dich entscheiden, wieviel % deines zu investierenden Kapitals du risikoreich anlegen willst. Je mehr Risiko du bereit bist einzugehen, desto höher ist deine potentielle Rendite. Schätze deine Risikobereitschaft möglichst objektiv ein, sodass du auch in Krisen durchhältst. Anschließend legst du fest, in welche Anlageklassen du dein Kapital investieren möchtest. Durch die Auswahl von Anlageklassen, die sich in verschiedenen Marktphasen gegenläufig entwickelnden erreichst du eine noch geringere Volatilität deines Portfolios.

Hast du noch Fragen oder möchtest du dich weiterhin mit uns und der Community über die Asset Allocation austauschen? Dann tritt unsere Facebook-Gruppe bei. Bis gleich!

Der nächste Schritt zum Aufbau deines Portfolios ist die Individualisierung. Hier legst du fest, wie du in die verschiedenen Anlageklassen investieren möchtest.

4. Quellen

[1] A. J. Ram, 2019; Bitcoin as a new asset class

[2] M. M. L. Mayer, 2018; Cryptocurrencies as an Alternative Asset Class

[3] G. P. Brinson et al., 1986; Determinants of Portfolio Performance

[4] R. G. Ibbotson and P. D. Kaplan, 2019; Does Asset Allocation Policy Explain 40, 90, or 100 Percent of Performance?

Disclaimer

Wir haben den Artikel im besten Wissen und Gewissen geschrieben. Die Informationen sind von uns selbst recherchiert worden und die Berechnungen haben wir selbst durchgeführt. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass uns an irgendeiner Stelle ein Fehler unterlaufen ist. Falls du auf einen stößt sind wir dankbar, wenn du uns darüber in Kenntnis setzt. Des Weiteren möchten wir darauf hinweisen, dass wir keine Steuer- oder Anlagenberater sind. Wir betreiben keine Anlageberatung oder Anlagevermittlung. Erfahre, wer hier eigentlich schreibt.

Erfahre als Erster, wenn es Neuigkeiten gibt.