Schritt 3: ETF-Auswahl

Wähle deinen perfekten ETF aus

Entscheidung leicht gemacht: So wählst du den perfekten ETF aus

Im dritten Schritt kommen wir endlich zur eigentlichen ETF-Auswahl. Nachdem du in den ersten beiden Schritten deine Strategie festgelegt hast, wählst du nun die ETFs aus, die zu dieser Strategie passen. Du solltest jedoch nicht den erstbesten ETF wählen der dir unter kommt, sondern ein wenig vergleichen. Im Folgenden erfährst du worin sich ETFs unterscheiden und auf welche Kennzahlen du achten solltest.

1. Deine Grundlage

Als Beginner schätzten die Meisten die ETF-Auswahl als Herzstück des Portfolios ein. Wie du aber vielleicht anhand der ersten beiden Schritte gemerkt hast, ist die objektive Abschätzung des individuellen Rendite-Risiko-Profils (Asset allocation: Schritt 1) sowie die Festlegung der Portfoliokomplexität (Individualisierung: Schritt 2) mindestens ebenso wichtig. Bevor du also deine ETFs auswählst, solltest du die ersten beiden Schritte abgeschlossen und die jeweiligen Ergebnisse (Entscheidungen) notiert haben. Vorher macht es wenig Sinn die ETFs für dein Portfolio auszuwählen.

2. Die wichtigsten Punkte bei der ETF Auswahl

Es ist ganz wichtig zu verstehen und deshalb wiederholen wir es hier noch einmal: Es gibt nicht die eine optimale Strategie und deshalb auch nicht den einen „perfekten“ ETF. Jeder Mensch ist verschieden, steckt in einer anderen Lebenssituation, hat unterschiedliche Sicherheitsbedürfnisse etc. Deshalb kann die für dich perfekte Strategie und dementsprechend der ideale ETF vollkommen anders sein als von deinem Partner, der besten Freundin oder dem Nachbarn!

Die Eckdaten, anhand derer du dich für oder gegen einen ETF entscheidest, sind aber immer dieselben und deshalb gut verallgemeinerbar. Es kommen Begriffe wie thesaurierend, Swap, Tracking Difference oder teilreplizierend auf dich zu. Dir sagt das noch gar nichts? Gar kein Problem: Wir bringen Ordnung in den Dschungel von Fachbegriffen!

2.1 Inhalt des ETFs

Es gibt unzählige Indices wodurch du genau hinschauen musst, welchen Index der ETF eigentlich abbildet. Nehmen wir an du hast dich dazu entschieden mittels ETFs in Aktien von Unternehmen aus Industriestaaten, Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern und Rohstoffe zu investieren. „Leider“ ist es nicht so, dass es jeweils nur einen einzigen Index (und demnach ETF, der diesen Index abbildet) dafür gibt. Meistens gibt es zahlreiche und diese können sich erheblich in ihrem Inhalt unterscheiden. Beispielsweise gibt es Aktien-Indices (und damit ETFs), die nur Unternehmen aus bestimmten Sektoren (wie Technologie) oder nur kleine Unternehmen (Small Caps) beinhalten. Um eine maximale Diversifikation deines Portfolios zu erreichen ist es sinnvoll in ETFs zu investieren, die sehr bekannte Indices abbilden und keinen besonderen “Fokus” haben. Bekannte Indices für die Assetklassen Aktien, Schwellenländer, Immobilien, Rohstoffe und Staatsanleihen sind in Tabelle 1 gezeigt.

Tabelle 1: Bekannte Indices für die Assetklassen Aktien, Schwellenländer, Immobilien, Rohstoffe und Staatsanleihen.
Inhalt
Weltweite Aktien MSCI ACWI, FTSE All-World
Aktien Industriesaaten MSCI World, FTSE Developed
Aktien Schwellenländer MSCI Emerging Market, FTSE Emerging
Immobilien weltweit Global Property Research, Dow Jones Global Real Estate
Rohstoffe Bloomberg Commodity, UBS Bloomberg CMCI
Staatsanleihen Bloomberg Barclays Global, FTSE World

Merke dir: Der Inhalt von ETFs hängt immer davon ab welchen Index sie genau abbilden. Manche Indices (und damit auch ETFs) fokussieren sich auf bestimmte Kriterien/Bereiche und repräsentieren nicht den Gesamtmarkt.

2.2 Ausschüttend oder thesaurierend

Einer der wichtigsten Entscheidungen zu Beginn ist die Wahl zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs. Bei ausschüttenden ETFs werden dir die Erträge (Dividenden bei Aktien-ETFs, Zinsen bei Anleihen-ETFs) auf deinem Konto gutgeschrieben. Du hast also einen kontinuierlichen Zahlungseingang. Bei thesaurierenden ETFs erhältst du kein Geld, stattdessen werden die Erträge vom ETF-Fondsverwalter reinvestiert. Dadurch steigen deine ETF-Anteile im Wert. Du solltest dich Fragen, ob du einen konstanten Geldeingang wünscht oder darauf verzichten kannst. Ein konstanter Geldeingang kann dich motivieren am Ball zu bleiben. Neben der persönlichen Vorliebe solltest du aber auch die steuerlichen Aspekte nicht vernachlässigen. Erträge und Gewinne von bis zu 801 € pro Jahr sind nämlich steuerfrei. Um diesen Freibetrag nicht zu verschenken ist es anfangs oft sinnvoller in ausschüttende ETFs zu investieren, wie wir dir hier zeigen.

2.3 Physisch oder synthetisch

Bei der Art der Indexabbildung wird zwischen physischen und synthetischen Replikationsmethoden unterschieden. Bei der physischen Replikation enthält der ETF die Titel, die in dem abgebildeten Index sind. Bei der physischen Replikation gibt es die Unterteilung von vollreplizierenden und teilreplizierenden ETFs. Bei vollreplizierenden werden alle Titel, die im abgebildeten Index enthalten sind, tatsächlich erworben. Bei teilreplizierenden wird hingegen eine repräsentative Auswahl von Titeln gekauft, wodurch Kosten eingespart werden. Beispielsweise enthält ein physischer, vollreplizierender ETF auf den S&P 500-Index die Aktien von allen 500 im Index vertretenen Unternehmen. Ein teilreplizierender ETF würde lediglich einen repräsentativen Teil der 500 Unternehmen enthalten. Bei synthetischen ETFs ist nicht zwangsweise das drin ist, was draufsteht. Bei einem synthetischen ETF (Swap-ETF) geht der ETF-Anbieter ein Tauschgeschäft mit einem Partner (meist eine Bank) ein. Der ETF enthält dann zwar auch Titel, diese dienen aber lediglich als Sicherheit und können ganz andere sein als die, die in dem abgebildeten Index sind. Die Bank erhält eine kleine Gebühr und verpflichtet sich im Gegenzug die Wertentwicklung inklusive der Erträge des Index zu liefern. Dadurch gibt es bei synthetischen ETFs ein Kontrahentenrisiko (das Risiko, das der Tauschpartner ausfällt). Dieses Risiko ist aber sehr gering, da die Tauschgeschäfte gesetzlich zu mind. 90 % abgesichert sein müssen.

Merke dir: Hast du die Wahl, solltest du dich für einen ETF mit physischer Replikationsmethodik entscheiden. Idealerweise ist er vollreplizierend, doch auch teilreplizierende sind meist sehr gut.

2.4 Kosten

Die Kosten sind eines der meistdiskutierten Merkmale bei ETFs. Es gibt die ausgewiesene Gesamtkostenquote (TER), die die Fondsanbieter in ihren Datenblättern angeben. Der TER beschreibt die prozentuale, jährlich anfallende Gebühr für die Verwaltung, den Wertpapierhandel etc. Fälschlicherweise denken aber viele Anleger, dass dies die wichtigste Kennzahl bei den Kosten ist und bereits alles abdeckt. Bei ETFs ist die sogenannte Tracking Difference (TD) jedoch deutlich näher an den jährlich anfallenden Kosten. Die TD gibt die Differenz der Renditen vom ETF und dessen zugrundeliegendem Index an. Die Tracking Difference der letzten Jahre kannst du ganz einfach und übersichtlich auf Tracking Difference für deinen ETF einsehen. Die TD ist eine sehr gute Kennzahl, um die jährlichen Kosten von ETFs zu vergleichen. Doch Vorsicht, auch die TD berücksichtigt nicht alle Kosten wie z.B. Ordergebühren, Spreads oder von dir zu entrichtende Steuern.

2.5 Fondsvolumen

Auch wenn es auf den ersten Blick keine Rolle spielen mag, ist ebenfalls das Fondsvolumen eine wichtige Kenngröße bei der ETF-Auswahl. Wie du im Kapitel Kosten erfahren hast erhält der ETF-Anbieter einen kleinen, prozentualen Betrag des im ETF investierten Kapitals als Vergütung. Je geringer das Fondsvolumen ist, desto geringer ist somit auch die Vergütung für den Anbieter. Aus diesem Grund finden Veränderungen tendenziell eher bei kleineren Fonds statt. Diese können von Modifizierungen (z.B. Umstellung von thesaurierend auf ausschüttend) über Fusionen mit anderen ETFs bis hin zur kompletten Fondsschließungen reichen. Eine gute Richtgröße ist ein Fondsvolumen von > 100 Mio, wobei hier gilt: Je größer das Fondsvolumen, desto besser.

2.6 Fondsdomizil, Fondswährung und Hedging

Es gibt noch eine Reihe weiterer Eckdaten zu ETFs, die aber eine eher untergeordnete Rolle spielen. Dazu zählen das Fondsdomizil, die Fondswährung und das Hedging. Informationen zu diesen drei Merkmale erklären wir dir kurz und knapp:

  • Fondsdomizil: Das Fondsdomizil beschreibt das Land, in dem der ETF aufgelegt wurde. Zu den häufigsten Domizilen zählen Luxemburg und Irland. Bei physisch replizierenden Aktien-ETFs, die US Unternehmen enthalten sollte wenn möglich ein in Irland aufgelegter ETF ausgewählt werden. Grund dafür ist, dass bei diesen die Fondsgesellschaft einen Teil der in den USA abgezogenen Quellensteuern auf Dividenden zurückbekommt.
  • Fondswährung: Die Fondswährung gibt das Zahlungsmittel an, in welcher die Fondsgesellschaft Dividenden oder Kauf- und Rücknahmepreis ausgibt. Ist diese in einer anderen als deiner Heimatwährung, hast du ein potentielles Wechselkursrisiko, wie beispielsweise von US-Dollar auf Euro.
  • Hedging: Mit einem sogenannten „Währungshedge“ kannst du dich gegen Währungsrisiken absichern. Die Fondsgesellschaft garantiert dir also einen festen Umrechnungsfaktor zwischen Fonds- und Heimatwährung, egal ob sich der Wechselkurs für oder gegen dich entwickelt. Erkennen kannst du solche ETFs in der Regel am Zusatz „hedge“ im Namen. Diese Absicherung kostet dich allerdings einen kleinen Teil deiner Rendite.

3. Wo findest du die Informationen

Eine Webseite die wir dir wärmstens ans Herz legen können für deine ETF-Auswahl ist justETF. Dort hast du umfangreiche Filtermöglichkeiten und kannst dir beispielsweise in der ETF-Suche nur thesaurierende ETFs mit einer Fondsgröße > 100 Mio € selektieren. Dies erleichtert dir die Eingrenzung, Suche und Auswahl deiner ETFs enorm. Auch der ETF-Vergleich auf extraETF hat sich sehr gut entwickelt und liefert viele wichtige Information. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass du bei den ETFs in der engeren Auswahl auch mal in die einzelnen Dokumente (insbesondere das Factsheet) reinschaust. Hier erfährst du alle wichtigen Informationen wie den abgebildeten Index, die Replikationsmethode, die Kosten, Fondsdomizil etc. Der Anspruch muss hier jedoch nicht sein alles im kleinsten Detail zu verstehen.

4. Zusammenfassung

In diesem Beitrag hast du erfahren, dass es einige Kernunterschiede bei ETFs wie der zugrundeliegende Index, die Verwendung von Erträgen (Ausschütter oder Thesaurierer), die Replikationsmethode oder die jährliche Kostenquote (TER und vor allem TD) gibt. Andere Merkmale wie Fondswährung oder -domizil sind nicht vollkommen unerheblich, spielen im Zweifel aber eine eher untergeordnete Rolle. Wichtig ist immer mit dem richtigen Maß an die ETF-Auswahl zu gehen. Du solltest dich nicht zu sehr bei Kleinigkeiten versteifen, sondern immer das große Ganze im Blick behalten. Mit den umfangreichen Filteroptionen auf Webseiten wie justETF kannst du sehr komfortabel, schnell und zielgenau den für dich besten ETF finden. Sammle einfach ein wenig Erfahrung im Umgang mit diesen Webseiten, schaue ins Factsheet der ETFs und schon hast du die für dich passenden ETFs gefunden!

Disclaimer

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