Alle Steuern bei ausschüttenden und thesaurierenden ETFs einfach erklärt (inklusive simpler Anleitung und 7 Beispielen)

Seit der Investmentsteuerreform von 2018 werden alle ETFs nach derselben Systematik versteuert. Was das für dich bedeutet, wie du in 5 einfachen Schritten deine jährliche Steuer berechnen kannst und welche Kosten beim Verkauf auf dich zukommen, erfährst du in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze
  • Seit 2018 sind alle ETFs vom steuerlichen Aufwand gleich (steuereinfach), da sie nach der derselben Systematik versteuert werden.​
  • Bei allen ETFs werden Ausschüttungen, die Vorabpauschale und Veräußerungsgewinne besteuert.​
  • Die Vorabpauschale ist seit 2018 neu dazugekommen.
  • In maximal 5 einfachen Schritten kannst du die Steuern von allen ETFs berechnen.
  • Die fälligen Steuern werden direkt von deinem Broker einbehalten bzw. abgebucht.

1. Investmentsteuerreform von 2018

Vor dem Jahr 2018 gab es sogenannte “steuerhässliche” ETFs, bei denen die Investoren einen erhöhten Aufwand bei der Steuererklärung hatten und “steuereinfache” ETFs, die so gut wie keinen Aufwand machten. Glücklicherweise hat sich seit der Investmentsteuerreform von 2018 vieles vereinfacht. Seitdem sind alle ETFs “steuereinfach” und werden nach derselben Systematik versteuert. Das heißt die fälligen Steuern werden direkt von deinem deutschen Broker erhoben und du musst nicht mehr in der Steuererklärung tätig werden. Auch wenn nun das Meiste automatisch passiert, ist es wichtig zu verstehen, welche Steuern auf dich zukommen.

2. Besteuerung auf Fondsebene

Grundsätzlich musst du unterscheiden zwischen Steuern, die auf Fondsebene erhoben werden und Steuern, die direkt von dir gefordert werden. Steuern, die auf Fondsebene erhoben werden sind beispielsweise Quellensteuern auf ausländische Dividenden (30 % bei amerikanischen Aktien). Diese Steuer wird direkt vom Quellenstaat einbehalten und nicht von dir gefordert. Da die erhobenen Steuern auf Fondsebene dich nicht direkt betreffen und seit 2018 über die sogenannte Teilfreistellung kompensiert werden (siehe unten), können wir einen Schritt weitergehen und uns anschauen, welche Steuern direkt auf dich zukommen.

3. Besteuerung auf der Ebene des ETF-Investors

Bei ausschüttenden und thesaurierenden ETFs müssen seit 2018 immer dieselben drei Dinge versteuert werden:

  1. Ausschüttungen
    Steuern auf ausgeschüttete Erträge (z.B. quartalsweise an dich ausgeschüttete Dividende) werden nur bei ausschüttenden ETFs fällig, weil du bei thesaurierenden ETFs keine Ausschüttung erhältst. Die Steuer wird bei jeder Ausschüttung von deinem Broker direkt einbehalten.
  2. Vorabpauschale
    Die Vorabpauschale ist ein Betrag, der seit 2018 jährlich versteuert werden muss (bei ausschüttenden ETFs ist sie häufig jedoch 0, dazu aber später mehr). Die Steuer wird von deinem Broker am Jahresanfang vom Verrechnungskonto eingezogen.
  3. Veräußerungsgewinne
    Sämtliche Gewinne, die noch nicht versteuert wurden, müssen einmalig beim Verkauf der ETF-Anteile versteuert werden. Die Steuer wird von deinem Broker vom Gewinn direkt einbehalten.

Auf alle Kapitalerträge (z.B. Ausschüttungen wie Dividenden, Vorabpauschalen, Veräußerungsgewinne, Zinsen) musst du in Deutschland 26,375 % Steuern bezahlen. Einige ETFs besitzen eine sogenannte Teilfreistellung, wodurch ein Teil von der Steuer befreit ist und dein Steuersatz sinkt. Die Teilfreistellung dient dazu die auf Fondsebene anfallende Steuern (z.B. Quellensteuern auf ausländische Dividende) zu kompensieren und somit eine Doppelbesteuerung zu vermeiden. Die Höhe der Teilfreistellung ist abhängig vom “Inhalt” des ETFs.

Tabelle 1: Übersicht der Teilfreistellung von verschiedenen ETFs.
Fondsart Quote Teilfreistellung Steuersatz
Anleihen-ETF Aktienanteil = 0 % 0 % 26,4 %
Rohstoff-ETF Aktienanteil = 0 % 0 % 26,4 %
ETF-Mischfonds Aktienanteil >= 25 % 15 % 22,5 %
Aktien-ETF Aktienanteil >= 51 % 30 % 18,5 %
Immobilien-ETFs Deutsche Immobilien >= 51 % 60 % 10,6 %
Immobilien-ETFs Ausländische Immobilien >= 51 % 80 % 5,3 %

Wie du siehst, sind bei z.B. Aktien-ETFs 30 % der Erträge von der Steuer befreit. Anders ausgedrückt, müssen nur 70 % der Erträge bei Aktien-ETFs versteuert werden. Bei Immobilien-ETFs sind es sogar nur 20-40 %, sodass der Steuersatz dort von über 26 % auf unter 11 % sinkt.

Da du nun weißt, was du bei ETFs versteuert musst und wie hoch der Steuersatz ist, gehen wir einen Schritt weiter und schauen uns an, wie sich die Steuer genau zusammensetzt.

Info: Durch die Einführung der Teilfreistellung ist die Anrechnung der Quellensteuern auf die deutsche Abgeltungssteuer seit 2018 hinfällig.

3.1 Besteuerung von ausgeschütteten Erträgen von ETFs

Je nach ETF werden zu verschiedenen Zeitpunkten Erträge (Dividenden oder Zinsen) ausgeschüttet. Bei vielen ETFs passiert dies quartalsweise oder jährlich. Bei thesaurierenden ETFs erhältst du diese Erträge nicht, da sie vom Fondsverwalter automatisch reinvestiert werden. Demnach sind bei thesaurierenden ETFs die Ausschüttungen immer Null und es fällt keine Steuer auf die Ausschüttung an. Im Gegensatz dazu, werden die Erträge bei ausschüttenden ETFs deinem Konto gutgeschrieben. Alle ausgeschütteten Erträge, die deinem Konto gutgeschrieben werden, werden direkt (automatisch) von deinem Broker versteuert.

Nehmen wir beispielsweise an, dass du in einen Aktien-ETF investiert hast und 14 € Dividende erhalten hast. Die fällige Steuer kannst du ganz leicht berechnen:

Dividende in € * Steuersatz auf Kapitaleinkünfte * Wert der Teilfreistellung = Steuer in €
14 € * 0,26375 * 0,7 = 2,60 €

Sofern du keinen Freistellungsauftrag bei deinem Broker erteilt hast, werden die 2,60 € automatisch von deinem Broker einbehalten.

Merke dir: Die erhaltene Ausschüttung muss immer versteuert werden. Vollkommen egal, ob deine ausschüttenden ETFs im Wert sinken, steigen oder stagnieren.

3.2 Besteuerung von der Vorabpauschale von ETFs

Die Vorabpauschale ist der Betrag, der zusätzlich zu den ausgeschütteten Erträgen versteuert werden muss. Die Vorabpauschale muss sowohl bei ausschüttenden als auch bei thesaurierenden ETFs versteuert werden (bei ausschüttenden ETFs ist sie häufig jedoch 0, wie du gleich sehen wirst). Um die Vorabpauschale zu bestimmen, muss erst der Basisertrag berechnet werden. Der Basisertrag ergibt sich aus dem Wert von deinem ETF zum Jahresbeginn multipliziert mit 70 Prozent des Basiszinses.

Basisertrag in € = Wert von deinem ETF am Jahresanfang in € * Basiszins * 0,7

Der Basiszins ist ein vom Finanzministerium festgelegter Wert. Er leitet sich aus der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen ab. 2018 lag der Basiszins bei 0,87 %, 2019 bei 0,52 % und 2020 bei 0,07 %.

Es gibt zwei wichtige Regeln für den Basisertrag:

  1. Der Basisertrag ist maximal so groß wie die Wertsteigerung vom ETF zuzüglich der jährlichen Ausschüttungen (das schauen wir uns später genauer an).
  2. Der Basisertrag ist minimal 0, d.h. er kann nicht negativ sein.

Der Basisertrag ist eine wichtige Voraussetzung zur Berechnung der Vorabpauschale: Die Vorabpauschale ist der Basisertrag verringert um die Summe der jährlichen Ausschüttungen.

Vorabpauschale in € = Basisertrag in € – Summe der jährlichen Ausschüttungen in €

Steuern auf die Vorabpauschale fallen nur an, wenn der Basisertrag größer ist als die jährlich erhaltenen Ausschüttungen und demnach die Vorabpauschale positiv ist. Wenn die errechnete Vorabpauschale negativ ist (sprich der Basisertrag kleiner ist als die jährlichen Ausschüttungen), fallen keine Steuern an. Graphisch lässt sich das wie folgt darstellen:

Wie die Vorabpauschale vom Basisertrag und den Ausschüttungen abhängt
Abbildung 1: Übersicht, wie sich der Basisertrag zusammensetzt. Mit “Ausschüttungen” ist die Summe aller Ausschüttungen des ETF in einem Kalenderjahr gemeint

Da bei thesaurierenden ETFs die jährlichen Ausschüttungen 0 sind, und der Basisertrag immer größer als 0 ist, entspricht die Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs immer genau dem Basisertrag.

Die zu zahlende Steuer auf die Vorabpauschale lässt sich ganz einfach und genau wie bei den ausgeschütteten Erträgen berechnen:

Vorabpauschale in € * Steuersatz auf Kapitaleinkünfte * Wert der Teilfreistellung

Das war erstmal genug Theorie. Es klingt zwar alles super kompliziert, aber Aber keine Sorge, du wirst gleich anhand von mehreren Beispielen sehen, dass es weitaus einfacher ist als du gerade denkst.

3.3 Anleitung zur Bestimmung der jährlichen Steuern bei ETFs

Bevor wir uns mehrere Beispielen anschauen, können wir uns eine allgemeingültige Anleitung aufstellen, mit der du die jährlichen Steuern auf alle deine ETFs bestimmen kannst.

Schritt 1: Berechnung des jährlichen Wertzuwachses + die erhaltenen Ausschüttungen
Ist der Wertzuwachs + die erhaltenen Ausschüttungen kleiner oder gleich 0, müssen lediglich die Ausschüttungen, aber keine Vorabpauschale versteuert werden. Dann entfällt Schritt 2-4

Schritt 2: Berechnung des Basisertrages (Wert deines ETFs am Jahresanfang * Basiszins * 0.7)

Schritt 3: Prüfen, ob Basisertrag > (der Wertzuwachs + die erhaltenen Ausschüttungen)
Falls ja, wird der Wertzuwachs zuzüglich der Ausschüttungen als Basisertrag angenommen.

Schritt 4: Berechnung der Vorabpauschale (Basisertrag – Ausschüttungen)
Ist die Vorabpauschale 0 oder negativ, fallen keine Steuern auf die Vorabpauschale an.

Schritt 5: Gesamte Steuer berechnen
Steuern auf erhaltene Ausschüttungen plus die Steuern aufgrund der Vorabpauschale.

Anleitung zur Berechnung der Steuer von ETFs
Abbildung 2: Anleitung zur Berechnung der Steuer bei thesaurierenden und ausschüttenden ETFs.

3.4 Beispielrechnungen zur jährlichen Steuer von ETFs

Zum besseren Verständnis schauen wir uns einmal die jährliche Steuerlast von ETFs anhand von einigen Beispielen an und befolgen die obige Anleitung.

Beispiel 1a: Ausschüttender ETF; großer Wertzuwachs und Wertzuwachs > Ausschüttungen

  • Wert deines ETF am Jahresanfang: 10.000 €
  • Wert deines ETF am Jahresende: 14.000 €
  • Erhaltene Ausschüttungen: 200 €
  • Basiszins: 0,52 %; Teilfreistellung: 0,7; Steuersatz 26,375 %

Schritt 1: Berechnung des jährlichen Wertzuwachses + die erhaltenen Ausschüttungen
14.000 € + 200 € – 10.000 € = 4200 €

Schritt 2: Berechnung des Basisertrages (Wert am Jahresanfang * Basiszins * 0.7)
10,000 €  *0,0052 * 0.7 = 36 €

Schritt 3: Prüfen, ob Basisertrag > (der Wertzuwachs + die erhaltenen Ausschüttungen)
36 € < 4200 €
→ Der Basisertrag ist kleiner als der Wertzuwachs und bleibt bei 36 €.

Schritt 4: Berechnung der Vorabpauschale (Basisertrag – Ausschüttungen)
36 € – 200 € = -104 €
→ Da die errechnete Vorabpauschale negativ ist, fällt keine Steuer auf die Vorabpauschale an.

Schritt 5: Gesamte Steuer berechnen
Steuer auf erhaltene Ausschüttungen: 200 € * 0.26375 * 0.7 = 37 €
Steuer auf Vorabpauschale: 0 €
Gesamte Steuer: 37 €

Beispiel 1b: Thesaurierender ETF; großer Wertzuwachs

  • Wert deines ETF am Jahresanfang: 10.000 €
  • Wert deines ETF am Jahresende: 14.200 €
  • Erhaltene Ausschüttungen: 0 €
  • Basiszins: 0,52 %; Teilfreistellung: 0,7; Steuersatz 26,375 %

Schritt 1: Berechnung des jährlichen Wertzuwachses + die erhaltenen Ausschüttungen
14.200 € – 10.000 € = 4.200 €

Schritt 2: Berechnung des Basisertrages (Wert am Jahresanfang * Basiszins * 0.7)
10.000 € * 0,0052 * 0,7 = 36 €

Schritt 3: Prüfen, ob Basisertrag > (der Wertzuwachs + die erhaltenen Ausschüttungen)
36 € < 4200 €
→ Der Basisertrag ist kleiner als der Wertzuwachs und bleibt bei 36 €.

Schritt 4: Berechnung der Vorabpauschale (Basisertrag – Ausschüttungen)
36 € – 0 € = 36 €
→ Da die errechnete Vorabpauschale positiv ist, muss sie versteuert werden.

Schritt 5: Gesamte Steuer berechnen
Steuer auf erhaltene Ausschüttungen: 0 €
Steuer auf Vorabpauschale: 36 € * 0,26375 * 0,7 = 6,6 €
Gesamte Steuer: 6,6 €

Beispiel 2a: Ausschüttender ETF; kleiner Wertzuwachs und Wertzuwachs > Ausschüttungen

  • Wert deines ETF am Jahresanfang: 14,000 €
  • Wert deines ETF am Jahresende: 14,028 €
  • Erhaltene Ausschüttungen: 14 €
  • Basiszins: 0,52 %; Teilfreistellung: 0,7; Steuersatz 26,375 %

Schritt 1: Berechnung des jährlichen Wertzuwachses + die erhaltenen Ausschüttungen
14.028 € +14 € – 14.000 € = 42 €

Schritt 2: Berechnung des Basisertrages (Wert am Jahresanfang * Basiszins * 0.7)
14.000 € * 0,0052 * 0,7 = 51 €

Schritt 3: Prüfen, ob Basisertrag > (der Wertzuwachs + die erhaltenen Ausschüttungen)
51 € > 42 €
→ Da der Basisertrag maximal so groß wie die Wertsteigerung inklusive der Ausschüttungen sein darf, wird er auf 42€ (28 € Wertzuwachs +14 € Dividende) gesetzt.

Schritt 4: Berechnung der Vorabpauschale (Basisertrag – Ausschüttungen)
42 € – 14 € = 28 €
→ Da die errechnete Vorabpauschale positiv ist, muss sie versteuert werden.

Schritt 5: Gesamte Steuer berechnen
Steuer auf erhaltene Ausschüttungen: 14 € * 0,26375 * 0,7 = 2,6 €
Steuer auf Vorabpauschale: 28 € * 0,26375 * 0,7 = 5,2 €
Gesamte Steuer: 7,8 €

Beispiel 2b: Thesaurierender ETF; kleiner Wertzuwachs

  • Wert deines ETF am Jahresanfang: 14.000 €
  • Wert deines ETF am Jahresende: 14.042 €
  • Erhaltene Ausschüttungen: 0 €
  • Basiszins: 0,52 %; Teilfreistellung: 0,7; Steuersatz 26,375 %

Schritt 1: Berechnung des jährlichen Wertzuwachses + die erhaltenen Ausschüttungen
14.028 € +14 € – 14.000 € = 42 €

Schritt 2: Berechnung des Basisertrages (Wert am Jahresanfang * Basiszins * 0.7)
14.000 € * 0,0052 * 0,7 = 51 €

Schritt 3: Prüfen, ob Basisertrag > (der Wertzuwachs + die erhaltenen Ausschüttungen)
51 € > 42 €
→ Da der Basisertrag maximal so groß wie die Wertsteigerung inklusive der Ausschüttungen sein, darf wird er auf 42 € (42 € Wertzuwachs) gesetzt.

Schritt 4: Berechnung der Vorabpauschale (Basisertrag – Ausschüttungen)
42 € – 0 € = 42 €
→ Da die errechnete Vorabpauschale positiv ist, muss sie versteuert werden.

Schritt 5: Gesamte Steuer berechnen
Steuer auf erhaltene Ausschüttungen: 0 €
Steuer auf Vorabpauschale: 42 € * 0,26375 * 0,7 = 7,8 €
Gesamte Steuer: 7,8 €

Beispiel 3a: Ausschüttender ETF; kein Wertzuwachs, aber Ausschüttungen

  • Wert deines ETF am Jahresanfang: 14.028 €
  • Wert deines ETF am Jahresende: 13.327 €
  • Erhaltene Ausschüttungen: 70 €
  • Basiszins: 0,52 %; Teilfreistellung: 0,7; Steuersatz 26,375 %

Schritt 1: Berechnung des jährlichen Wertzuwachses + die erhaltenen Ausschüttungen
13.327 € + 70 – 14.028 € = -631 €
→ Da der Wertzuwachs negativ ist, müssen nur die Ausschüttungen versteuert werden.

Schritt 5: Gesamte Steuer berechnen
Steuer auf erhaltene Ausschüttungen: 70 € * 0,26375 * 0,7 = 13 €
Steuer auf Vorabpauschale: 0 €
Gesamte Steuer: 13 €

Beispiel 3b: Thesaurierender ETF; kein Wertzuwachs

  • Wert deines ETF am Jahresanfang: 14.028 €
  • Wert deines ETF am Jahresende: 13.397 €
  • Erhaltene Ausschüttungen: 0 €
  • Basiszins: 0,52 %; Teilfreistellung: 0,7; Steuersatz 26,375 %

Schritt 1: Berechnung des jährlichen Wertzuwachses + die erhaltenen Ausschüttungen
13.397 € – 14.028 € = -631 €
→ Da der Wertzuwachs negativ ist, müssen nur die Ausschüttungen versteuert werden.

Schritt 5: Gesamte Steuer berechnen
Steuer auf erhaltene Ausschüttungen: 0 €
Steuer auf Vorabpauschale: 0 €
Gesamte Steuer: 0 €

Beispiel 4a: Ausschüttender ETF; kein Wertzuwachs, keine Ausschüttungen

  • Wert deines ETF am Jahresanfang: 13.327 €
  • Wert deines ETF am Jahresende: 11.964 €
  • Erhaltene Ausschüttungen: 0 €
  • Basiszins: 0,52 %; Teilfreistellung: 0,7; Steuersatz 26,375 %

→ Kurz und knapp: hier wird gar keine Steuer fällig

Grundsätzlich ist zu sagen, dass bei ausschüttenden ETFs meist nur die Ausschüttungen versteuert werden müssen und keine Steuer auf die Vorabpauschale fällig wird, da die ausgeschütteten Erträge für gewöhnlich höher sind als der Basisertrag. Dadurch sind die jährlichen Steuern bei thesaurierenden ETFs oft geringer als bei ausschüttenden ETFs (Vergleiche Beispiel 1 den ausschüttenden- mit dem thesaurierenden ETF). Diese Erkenntnis ist besonders wichtig, wenn es darum geht Steuern zu sparen.

Erfahre hier mehr, wie du mit ETFs Steuern sparen kannst

Achtung: Denk dran, die Steuer auf die Vorabpauschale wird von deinem Verrechnungskonto von deinem Broker eingezogen. Sorge dafür, dass du am Anfang des Kalenderjahres (wenn die Steuer auf die Vorabpauschale fällig wird) genug Geld auf dem Konto hast.

3.5 Besteuerung von Veräußerungsgewinnen von ETFs

Beim Verkauf eines ETFs muss der gesamte Wertzuwachs versteuert werden. Alle Vorabpauschalen, die du bereits versteuert hast werden von dem Wertzuwachs abgezogen, sodass du nicht doppelt besteuert wirst. Wie viele Steuern du zahlen musst, lässt sich anhand folgender Formel berechnen:

(Wert deines ETFs am Verkaufstag in € -Wert deines ETFs am Kauftag in € – Summe der bereits versteuerten Vorabpauschalen in €) * Wert der Teilfreistellung * Steuersatz auf Kapitalerträge

Schauen wir uns das Ganze anhand eines Beispiels an:

  • Wert deines ETFs am Kauftag: 10.000 €
  • Wert deines ETFs am Verkaufstag: 17.000 €
  • Summe der bereits versteuerten Vorabpauschalen: 500 €
  • Wert der Teilfreistellung: 0,7
  • Steuersatz: 26.375 %

(17.000 € -10.000 € – 500 €) * 0,7 * 0,26375 = 1200 €

Du musst also 1200 € Steuern beim Verkauf zahlen.

4. Übersichtsabbildung

In der folgenden Übersichtsabbildung ist die Besteuerung von ETFs seit 2018 schematisch dargestellt.

Beispiel zur Berechnung der Steuern bei ETFs
Abbildung 3: Übersichtsabbildung zur Besteuerung von ETFs seit 2018. Es handelt sich um eine vereinfachte Darstellung.

5. Fazit

Seit der Investmentsteuerreform von 2018 werden alle ETFs nach derselben Systematik versteuert und sind dadurch vom steuerlichen Aufwand gleich (steuereinfach). Die fälligen Steuern werden automatisch von deinem deutschen Broker einbehalten bzw. abgebucht. Bei der Wahl des ETFs musst du demnach nicht mehr darauf achten, ob ein ETF einen steuerlichen Mehraufwand mit sich bringt sondern du kannst den ETF kaufen, der am besten zu dir passt.

6. Quellen

Bundesministerium der Finanzen; Investmentsteuergesetz

Disclaimer

Wir haben den Artikel im besten Wissen und Gewissen geschrieben. Die Informationen sind von uns selbst recherchiert worden und die Berechnungen haben wir selbst durchgeführt. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass uns an irgendeiner Stelle ein Fehler unterlaufen ist. Falls du auf einen stößt sind wir dankbar, wenn du uns darüber in Kenntnis setzt. Des Weiteren möchten wir darauf hinweisen, dass wir keine Steuer- oder Anlagenberater sind. Wir betreiben keine Anlageberatung oder Anlagevermittlung. Erfahre, wer hier eigentlich schreibt.

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