Schon gewusst? #6 Getrennte Verlusttöpfe für Aktien und ETFs bald Geschichte?

Deutschland ist Bürokratieweltmeister und kreiert zum Teil absurde Sonderfälle. Eine für viele Anleger besonders störende Ausnahmeregelung wurde durch das Unternehmensteuerreformgesetz von 2008 geschaffen: Veräußerung von Aktien (Gewinne und Verluste) können nur mit Veräußerungen anderer Aktien verrechnet werden. Das Gegenrechnen anderer Assetklassen (z.B. ETFs oder Anleihen) ist nicht möglich. Begründet wurde das Ganze maßgeblich mit einer Minimierung der “Risiken” von erheblichen Steuermindereinnahmen für den Staatshaushalt. Doch diese Praxis könnte sich nun durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts ändern.

Viele Privatinvestoren werden es kennen: Du verkaufst eine Aktie mit Verlust und zeitgleich einen ETF mit Gewinn, darf den entstandenen Verlust aber nicht mit dem Gewinn gegenrechnen. Folglich musst du deinen Gewinn voll versteuern. Grund dafür ist, dass es zwei verschiedene Verlustverrechnungstöpfe gibt. In dem einen Topf werden Aktienverluste gesammelt (Aktienverlusttopf) und in dem anderen Topf die Verluste aus allen anderen Kapitaleinkünften (allgemeiner Verlusttopf).

Aktienverlusttopf und der allgemeine Verlusttopf für z.B. ETFs, Fonds oder Anleihen
Abbildung 1: Verluste beim Verkauf von Aktien werden im Aktienverlusttopf vorgemerkt, alle anderen Kapitalverluste werden in einem allgemeinen Verlusttopf gesammelt. REITs (Real Estate Investment Trusts) als börsennotierte Immobilien-Aktiengesellschaften tragen ebenfalls zum Aktienverlusttopf bei.

Doch nach der Einschätzung des Bundesfinanzhofs soll/muss damit nun Schluss sein, denn er hält die Verlustverrechnungsbeschränkung von Aktienveräußerungsverlusten für verfassungswidrig.[1] Dementsprechend hat der Bundesfinanzhof dem Bundesverfassungsgericht die Frage zur Klärung vorgelegt, ob die bisherige Praxis mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Künftig soll es keine Rolle mehr spielen, ob Verluste aus der Veräußerung von Aktien oder aus der Veräußerung anderer Kapitalanlagen erzielt wurden. Du könntest alles miteinander verrechnen, wodurch du als Privatanleger deutlich Geld (Steuern) sparen würdest. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie das Bundesverfassungsgericht entscheidet und vermutlich wird es eine ganze Weile dauern, bis eine Entscheidung verkündet wird. Dennoch ist es schon einmal positiv, dass das Problem erkannt wurde und angegangen wird.

Hast du schon einmal Erfahrungen mit den verschiedenen Verlusttöpfen gemacht und dich geärgert, dass du deine Verluste nicht mit deinen Gewinnen gegenrechnen konntest?

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Quellen

[1] Bundesfinanzhof; Presseservice des Bundesfinanzhofs

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